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Illegaler Datenhandel und Malware auf Wall Street Market, Tipps und Hinweise vom Rechtsanwalt und Strafverteidiger

​​Derzeit droht eine Welle von Strafverfahren wegen Straftaten im Internet, genauer gesagt im sogenannten Deepnet bzw. Darknet aufgrund der Aufdeckung der mutmaßlichen Betreiber der Plattform Wall Street Market.

​Am 03.05.2019 hat das Bundeskriminalamt auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main bekannt gegeben, dass drei mutmaßliche Betreiber des Wall Street Market verhaftet wurden.

Aufgrund von Wohnungsdurchsuchungen wurden in großem Umfang Bargeld, Bestände von Bitcoin und Monero und vor allem Rechner und Datenträger beschlagnahmt.

​Nach den Erkenntnissen der Behörden ​hatten sich ​auf ​Wall Street Market mehr als eine Millionen Kunden und mehr als 5.000 Verkäufer registriert.

​Die jetzt ​bekannt gegebenen Ermittlungsmaßnahmen richten sich offenbar gegen die Betreiber. Als Rechtsanwalt und Strafverteidiger rechne ich jedoch damit, dass aufgrund der Auswertung der beschlagnahmten Datenträger zahlreiche weitere Strafverfahren eingeleitet werden.

Der Beitrag soll die aktuelle Situation für (potentielle) Beschuldigte erläutern und Hinweise zum weiteren Vorgehen geben.

​1) Welche Straftaten ​wurden auf ​Wall Street Market begangen?

​​Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass ​auf ​Wall Street Market Straftaten begangen wurden.

Der Hauptteil dieser Straftaten ist dem Drogenhandel, also den Betäubungsmitteldelikten zuzuordnen.

Darüber hinaus sollen jedoch auch fremde Daten und Malware, also Schadsoftware, ​auf Wall Street Market angeboten und gekauft worden sein.

​Ob dieses Handeln mit Daten und schädlichen Programmen tatsächlich strafbar ist, kann man natürlich nur im einzelnen Fall beurteilen.

Generell ist zu unterscheiden zwischen dem Verkauf oder Erwerb der Daten ​bzw. der Malware und dem Einsatz dieser Mittel, um sich z.B. durch betrügerischen oder erpresserischen Einsatz zu bereichern.

Betrug, Computerbetrug und Erpressung sind im „normalen“ Fall mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren bedroht. Bei erschwerenden Umständen können die Gerichte auch höhere Freiheitsstrafen verhängen. Bei Ersttätern wird jedoch selten das Maximum der möglichen Strafe ausgereizt.

​Wenn es sich um Betrug oder Erpressung handelt, ​kann man dies ​typischerweise relativ eindeutig ​bestimmen.

​Die Frage, ob auch schon der Handel mit Daten und Schadsoftware strafbar ist, kann man nicht eindeutig beantworten.

Mögliche Delikte sind hier insbesondere das Ausspähen von Daten, das Abfangen von Daten, Vorbereitungshandlungen hierzu sowie die Datenhehlerei.

​Zusammenfassung

  • ​Mögliche Vielzahl von Straftaten ​auf Wall Street Market
  • ​​Betrug und Erpressung mit fremden Daten und Malware
  • ​​​Bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe im Ausgangsfall
  • ​​Zudem möglich: Datenstraftaten

​2) ​Welche „Datenstraftaten“ ​auf ​Wall Street Market wurden möglicherweise begangen?

​Ausspähen von Daten bedeutet, ​dass ​sich jemand unbefugt Zugang zu Daten ​verschafft, die nicht für ihn bestimmt sind.

Diese Straftat wird im Fall von Wall Street Market nicht durch den Handel auf der Plattform begangen, sondern allenfalls durch den Einsatz von auf Wall Street Market erworbener Malware. Die Strafe hierfür ist eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahre.

Gleiches gilt für das Abfangen von Daten, indem sich jemand Daten aus einer nichtöffentlichen Datenübermittlung verschafft. Hier ist die Strafe entweder ebenfalls eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahre.

​Allein durch die eigenen Aktvitäten auf Wall Street Market kann man sich jedoch wegen der Vorbereitung des Ausspähens oder Abfangens von Daten strafbar gemacht haben.

Das ist der Fall, wenn man zur Vobereitung der genannten Straftaten, entweder Passwörter bzw. Sicherungscodes oder aber Computerprogramme für diesen Zweck herstellt, sich verschafft, kauft, verkauft, überlässt oder verbreitet.

Die mögliche Strafe ist auch in diesem Fall eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu 2 Jahren.

Datenhehlerei liegt schließlich vor, wenn man Daten, die ​ein anderer rechtswidrig erlangt hat, sich oder einem anderen verschafft, jemandem überlässt, verbreitet oder sonst zugänglich macht.

In diesem Fall können die Gerichte eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahre aussprechen.

Neben der Strafe sind in diesen Fällen jedoch auch weitere Konsequenzen im Rahmen eines Strafverfahrens zu bedenken. Besonders relevant dürfte in diesen Fällen die sogenannte Vermögensabschöpfung werden.

Bei der Vermögensabschöpfung geht es darum, dass der Polizei und der Staatsanwaltschaft umfangreiche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, auf das Vermögen eines Beschuldigten zuzugreifen, das dieser aus einer Straftat erlangt hat.

Die geschieht ähnlich wie bei einer Zwangsvollstreckung z.B. durch das Einfrieren von Konten oder die Beschlagnahme von Kryptowährungen bzw. der entsprechenden Zugangsdaten. Dies kann äußerst überraschend ​kommen und ​kann praktisch ​die freie wirtschaftliche Betätigung beenden.  

​Zusammenfassung

  • ​​Ausspähen ​/ Abfangen von Daten nicht durch ​Aktivität auf Wall Street Market
  • ​​​Vorbereitung des Ausspähens und Abfangens von Daten wahrscheinlich
  • ​​​​Ebenso das Begehen von Datenhehlerei durch die Verkäufer
  • ​​​Generell Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis maximal 3 Jahre
  • Weitere mögliche Konsequenz ist insbesondere Vermögensabschöpfung

​3) ​Wie hoch ist das Risiko der Strafverfolgung aufgrund der Aufdeckung von Wall Street Market?

Das BKA hat die Öffentlchkeit in seiner Pressemitteilung ( ​https://www.bka.de/DE/Presse/Listenseite_Pressemitteilungen/2019/Presse2019/190503_WallStreetMarket.html​​​ ) nicht darüber informiert, ob bereits weitere Strafverfahren – abgesehen von denen gegen die mutmaßlichen Betreiber – eingeleitet wurden.

Aufgrund der Maßnahmen zur Wahrung der Anonymität im TOR-Netzwerk bzw. bei der Verwendung von Kryptowährungen, ist die Ermittlung der möglichen Straftaten natürlich trotz der Beschlagnahme der Datenträger erschwert.

Die Festnahme der Beschuldigten zeigt jedoch, dass zumindest aus Sicht der Behörden, eine Identifizierung von möglichen Straftätern auch in diesem Rahmen möglich ist.

Generell funktioniert die Anonymisierung im Deepweb und bei Verwendung von Bitcoin oder Monero als Zahlungsmittel. Aus der Auswertung von zahlreichen Datenpunkten können Polizei und Staatsanwaltschaft jedoch immer wieder Puzzleteile zusammensetzen und so Identitäten aufklären.

Die meisten Menschen – auch die, die gewillt sind, ihre Anonymität zu wahren – sind an der einen oder anderen Stelle eben doch unvorsichtig. Zudem verfügen die Behörden in diesem Fall bereits über eine Vielzahl von Puzzleteilen.

Wer auf Wall Street Market aktiv war, sollte zunächst einmal herausfinden, ob das, was er dort getan hat, tatsächlich eine strafbare Handlung war oder zumindest von den Behörden als solche angesehen werden könnte.

​Hierzu ist wohl aufgrund der Vielzahl von möglichen ​Aktivitäten auf Wall Street Market und der rechtlichen Komplexität insbesondere der „Datenstraftaten“ die Hinzuziehung eines Rechtsanwalts geboten.

Für den Kontakt mit dem Rechtsanwalt und Strafverteidiger gilt, dass diese in aller Regel nicht vollkommen anonym erfolgen kann. Die Kommunikation unterliegt jedoch dem höchsten rechtlichen Schutz. Der Rechtsanwalt ist zur Verschwiegenheit berechtigt und verpflichtet. Die Behörden dürfen in die Kommunikation nicht durch Abhören, Durchsuchungen oder ähnliches eingreifen. Dieser rechtliche Schutz wird auch in der Praxis von den Behörden und Gerichten respektiert.

Wenn man bereits weiß, dass man Beschuldigter in einem Strafverfahren ist, erübrigt sich natürlich ​die Frage nach dem Risiko der Strafverfolgung weitgehend, da zumindest die Behörde ​offenbar von einer Straftat ausgeht. Hier gilt in jedem Fall, dass man zunächst über seinen Verteidiger Akteneinsicht beantragen sollte, bevor man die nächsten Schritte plant.

​Wenn man der Meinung ist, dass man zumindest möglicherweise eine Straftat begangen hat oder bereits ein Strafverfahren eingeleitet wurde, sollte man eine Entscheidung treffen, ob  – und wenn ja, wie – man mit den Behörden kooperiert. Mit anderen Worten: Man sollte eine Verteidigungsstrategie entwickeln.

​Zusammenfassung

  • ​Strafverfolgung trotz Anonymisierungsversuch nicht ausgeschlossen
  • ​​​​Strafrechtliche Beurteilung des eigenen Verhaltens als erster Schritt
  • ​​​​Für bereits Beschuldigte gilt: Zunächst Schweigen, erster Schritt: Akteneinsicht
  • ​​​​Planung der Verteidigungsstrategie

​4) ​Die richtige Verteidigung !

​Das richtige Vorgehen, wenn man Beschuldigter in einem Strafverfahren ist oder ein Strafverfahren befürchtet, will wohl überlegt sein.

Als Rechtsanwalt und Strafverteidiger stehe ich auf Ihrer Seite und werde mich für Sie einsetzen.

Dies reicht von einem ersten Beratungsgespräch über die Festlegung einer Strategie bis zur Verteidigung vor Gericht, wenn es denn so weit kommt.

​Das Idealziel der Verteidigung ist aus meiner Sicht jedoch, möglichst eine Einstellung des Strafverfahren ggf. verbunden mit einer Geldauflage zu erreichen.

Gerade im Bereich der leichteren Straftaten und wenn keine Vorstrafen vorliegen, ist dies durchaus realistisch.

Mehr über die Möglichkeiten meiner Unterstützung als Rechtsanwalt und Strafverteidiger erfahren Sie hier: